pneumatisches Design: von der Natur lernen

Die Zelle - der Pneu

Form und Stabilität entstehen aus dem Zusammenspiel einer äußeren Membran und dem Innendruck eines flüssigen oder gasförmigen Mediums. Durch die Verbindung mehrerer Zellen lassen sich komplexe Organismen und Strukturen beliebiger Form aufbauen.

Sämtliche Strukturen der belebten Natur basieren auf diesem Pneu-Zell-Prinzip.

1. Der einzellige Organismus ist ein Pneu und bildet den grundlegenden Baustein allen Lebens.

2. Zellstruktur eines Blattquerschnitts

3. Seifenblasen sind Pneus

004stachelbeeren

4. Beere als Pneu

5. Der Körper einer Insektenlarve besteht aus einer Reihe einzelner Pneus

006foetus 15semaines

6. Die erste Behausung jedes Menschen ist ein Pneu – die Fruchtblase.

Im Laufe der Evolution hat die Natur Strukturen entwickelt, die auf maximale Leistungsfähigkeit und Effizienz optimiert sind.

Für Schönheit gibt es keine objektiven Maßstäbe. Dennoch erkennt jeder Mensch intuitiv die Zweckmäßigkeit biologischer Konstruktionen, die über Millionen von Jahren auf Überleben optimiert wurden – und empfindet sie deshalb als schön.

Auch künstliche Strukturen sollten sich entsprechend ihrer eigenen inneren Logik frei entfalten können, wie ein keimender Samen.

Dabei bilden Inspiration, logisches Denken, Vorstellungskraft und Wissen den fruchtbaren Boden, aus dem neue Formen entstehen. Jede nachträglich aufgezwungene formale Absicht entfernt den Entwurf von seiner optimalen Lösung.

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Um die richtige Form zu finden, stelle dir vor, du seist leer, frei und so gestaltlos wie die Luft.

Füllt Luft einen Ballon, wird sie zum Ballon.

Erfüllt sie einen Raum, wird sie zum Raum.

Atmest du Luft ein, gelangt sie in deinen Blutkreislauf und wird zu einem Teil von dir selbst.

Luft kann sanft und kaum wahrnehmbar sein – oder mit der Gewalt eines Hurrikans ganze Wälder niederreißen.

Man kann Luft weder schnitzen noch formen oder in eine beliebige Gestalt zwingen.

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Bei einer pneumatischen Konstruktion wirken zwei flexible Elemente zusammen:

die Luft und die Membran.

Verstehen wir jedoch die Eigenschaften der Luft vollständig, können wir die Randbedingungen so festlegen, dass Luft und Membran die gewünschte Form selbstständig hervorbringen.

Luft erweist sich damit als Baustoff von außergewöhnlichem Potenzial, dessen Möglichkeiten bislang erst in Ansätzen erforscht wurden.